Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge…

Orthodox

Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge geboren wurden, und Erde und Welt geschaffen ward, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du — Gott! Der du den Menschen in Staub kehrest, und sprichst: Kehret zurück ihr Söhne der Menschen. Denn tausend Jahre sind in deinen Augen, o Herr, wie der gestrige Tag, der vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Du lässest sie dahinfliessen, ein Traum sind sie; gleichwie Gras, das am Morgen aufgrünt, das am Morgen blüht und aufgrünt, und am Abend abfällt und verdorret. Denn wir vergehen vor deinem Zorne, und vor deinem Grimme erschrecken wir. Du stellest unsere Missethaten vor dich, unsere verborgenen in das Licht deines Angesichtes. Denn alle unsere Tage schwinden dahin, und vor deinem Zorne vergehen wir; unsere Jahre verhallen wie ein Laut. Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre, und sein Stolz ist Mühsal und Schmerz. Denn vorüber eilt es, und wir sind entflogen. Wer erkennt die Gewalt deines Zornes, und wer ermisset deinen Grimm in der Furcht vor dir? Lehre uns unsere Tage zählen, auf dass wir erlangen ein weises Herz. Herr, kehre dich doch wieder zu uns! — wie lange noch? und lass dich erbitten über deine Knechte. Sättige uns frühe mit deiner Gnade, Herr, und wir werden uns freuen und fröhlich sein alle unsere Tage. Erfreue uns nun wieder für die Tage, da du uns gedemüthigt hast, für die Jahre, da wir das Unglück sahen. Lass an deinen Knechten deine Werke erscheinen, und deine Herrlichkeit an ihren Söhnen. Und es sei der Glanz des Herrn, unsers Gottes, über uns, und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände fördere!

Quelle: Maltzew, Die Liturgien, Berlin 1894

Alle Gebete · Die Ikona-App