Auf dich, Herr, hoffe ich; lass mich nicht zu Schanden werden…
Orthodox
Auf dich, Herr, hoffe ich; lass mich nicht zu Schanden werden in Ewigkeit; in deiner Gerechtigkeit erlöse mich! Neig’ dein Ohr mir zu, eilend rette mich! Sei mir ein schützender Fels und eine Stätte der Zuflucht, mir zu helfen! Denn mein Fels und meine Burg bist du, und um deines Namenswillen leite und führe mich. Aus dem Netze zieh’ mich, dass sie heimlich mir gelegt, denn du bist mein Schutzwall! In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, Herr, Gott der Wahrheit. Die an eitlen Nichtigkeiten fest halten, hasse ich; ich aber vertraue auf den Herrn. Ich werde jubeln und mich freuen deiner Gnade; denn du hast meine Erniedrigung angesehen, und aus den Drangsalen errettet meine Seele. Du übergabst mich nicht in die Hände des Feindes, du stelltest meine Füsse auf weiten Raum. Erbarme dich meiner, o Herr! denn mir ist bange; es welkt dahin vor Gram mein Auge, meine Seele und mein Leib. Denn in Kummer schwindet dahin mein Leben, meine Jahre in Seufzen; in meiner Schuld sinkt meine Kraft dahin und meine Gebeine sind verschmachtet. Ob all meiner Feinde bin ich zum Spott geworden vor meinen Nachbarn gar sehr, und meinen Bekannten zum Schrecken; die mich sehen auf der Gasse, weichen scheu mir aus. Vergessen ward ich, wie ein Todter, aus dem Herzen; ich bin geworden, wie ein zerbrochenes Gefäss. Denn ich höre Vieler Lästerung — Zusammenrottung ringsumher, da sie zusammen wider mich berathen, das Leben mir zu nehmen trachten. — Ich aber, Herr, hoffe auf dich, ich sage: Mein Gott bist du! In deiner Hand ist mein Geschick; errette mich aus meiner Feinde Hand und von meinen Verfolgern. Lass mich, Herr, nicht zu Schanden werden, denn zu dir rufe ich! Die Frevler sollen zu Schanden werden, zum Schweigen gebracht hin in die Unterwelt, verstummen die Lügenlippen, die Freches reden wider den Gerechten mit Hochmuth und Verachtung! — Wie gross ist die Fülle deiner Güte, Herr, die du denen hast bewahret, die dich fürchten, die du erweisest denen, die auf dich vertrauen, vor den Söhnen der Menschen. Du schützest sie im Schutze deines Angesichts vor den Verschwörungen der Menschen, birgst sie im Zelte vor der Zungen Hader. Gelobt sei der Herr, denn wunderbar erwies er seine Gnade mir in fester Stadt. Und doch hatte ich gesprochen in meinem Schrecken: Verstossen bin ich von deinem Angesichte: Allein du hörtest meines Flehens Stimme, da ich zu dir schrie: O liebt den Herrn, ihr seine Frommen alle, denn Treue wahrt der Herr und vergilt reichlich den Hoffärthigen. O seid getrost, stark werde euer Herz, ihr alle, die ihr hoffet auf den Herrn!
Quelle: Maltzew, Andachtsbuch, Berlin 1895